| Geschichte
und Tradition des Krabbi Krabong |
Geschichte:
Heutzutage überleben viele dieser alten Techniken
als Kampfkünste und werden von Mitgliedern der Sicherheitsdienste
wie von Enthusiasten trainiert, die den Nutzen ziehen möchten,
die eine Ausübung einer Kampfkunst mit sich bringt. In vorherigen
Artikeln bezogen wir uns auf die Kriegskunst Krabbi Krabong, wo wir
den Stammbaum und die geschichtliche Herkunft des Muay Thai analysiert
haben.
Gehen wir erneut zurück zu diesen historischen Zeiten. Unter dem
Vorzeichen der Invasionsgefahr durch benachbarte Länder, denen
die Expansion ihres Imperiums im Sinn liegt, herrschen im Reich vier
Dynastien in Folge: Sukothai (13. -15. Jahrhundert), Ayud-haya (1350-1767),
Thomburi (1767-1789) sowie Rattannokosin oder die erste Periode Bangkoks
als Hauptstadt (1782-1808).
Die Notwendigkeit für ihre Unabhängigkeit kämpfen zu
müssen, formte den Charakter dieses Volkes. Die thailändische
Tradition ver-
langte von jedem Mann, daß er sich unabhängig seines Berufes
als Krieger auszubilden hätte. Selbst Aristokraten und Könige
gingen mit gutem Beispiel voran, indem sie das Schlachtfeld der Bequemlichkeit
des Palastes vorzogen. Es war eine kriegerische Rasse, in der die Kriegskünste
Krabbi Krabong und Muay Thai auf ihrem Höhepunkt waren.
Natürlich waren Lanzen, Schwerter und andere Warfen den Muay Thai
Techniken überlegen, in denen verschiedene Körperteile als
Waffen eingesetzt werden. War jedoch ein Krieger entwaffnet, oder befand
er sich im Körperkontakt mit dem Feind, konnte er immer auf die
zerstörerischen Angriffe des Muay Thai zurückgreifen. Das
ist der Unterschied zu anderen Kampfkünsten, das Muay Thai basiert
auf die Effektivität und Einfachheit seiner Techniken, und läßt
alle oberflächlichen oder akrobatischen Bewegungen weg.
In der Zeit der modernen Warfen, wo die Feuerkraft die traditionellen
Techniken ersetzt, treffen wir auf König Rama IV (19. Jahrhundert),
ein begeisterter Schwertbenutzer, der einige Vorführungen des Krabbi
Krabong in königlichen Zeremonien einführte. Dadurch gab er
der Kunst Krabbi Krabong an sich und ihrer Ausübung einen großen
Impuls und etablierte und verfestigte die Fundamente dieser Kampfkunst,
wie sie uns bis heute noch zugänglich sind.
Die Waffen des Krabbi Krabong:
- Krabbi: (langes Messer) als Schneid- und Stichwaffe
konzipiert, aus gutem Stahl hergestellt, spitz zugehend und für
den Gebrauch zu Fuß gedacht.
- Daab: (Schwert) eine Waffe, die wie die vorhergehende
Waffe sowohl zum Schneiden als auch zum Stechen genutzt wird. Aus
Qualitätsstahl hergestellt, die Klinge biegt sich an der Spitze.
Sie ist schwerer als das Krabbi. Für den Kampf zu Fuß.
- Ngaaw: Es handelt sich hierbei um eine Art Holzlanze,
an deren Ende eine Klinge ähnlich dem Daab, (nur kürzer)
angebracht ist. Sie wurde von den Kriegern benutzt, die auf den Elefanten
ritten.
- Plaung: (Langstock) auch Si Sawk genannt, was
buchstäblich übersetzt zwei Yard bedeutet. Es war eine lange
Waffe, die zum Schlagen benutzt wurde.
- Dhang: (Schild) ein Schutzinstrument, aus Leder
oder Rattan hergestellt (eine sehr resistente Faser, die aus einer
bestimmten südostasiatischen Pflanze gewonnen wird). Ovale und
gekrümmte Form.
- Khehen: (Schild) ein Schutzinstrument aus Leder
mit einer schrägen Form, die jedoch kleiner ist als die vorherige
Waffe.
- Loh: (Schild) ein Schutz- und Angriffsinstrument
aus Metall hergestellt und in der Mitte mit einer Spitze versehen,
mit der man den Gegner stechen konnte. Es hat eine runde Form.
- Mai Sahn, rechteckige Holzstücke mit Ledergriffen
zur Befestigung am Unterarm, so wie die Paos befestigt werden. Sie
können sowohl als Schild als auch als Schlaginstrument benutzt
werden.
- Meed Sahn (kurzes Messer) eine Art Dolch, gleiche
Form wie das Daab, jedoch kleiner.
- Khwaan: die Axt.
- Hawk: Pfeil oder kleine Wurflanze.
Alle diese Waffen werden aus drei Materialien hergestellt.
- Echte Waffen: in der Vergangenheit zum Kampf
gebraucht, heutzutage für den vorhergehenden Tanz bei Vorführungskämpfen
benutzt. (Wai Kruu).
- Waffenimitationen, die bei Vorführungen
(Kreuang mai ram) gebraucht werden oder bei Vorführungskämpfen.
- Waffenimitationen zum Trainingsgebrauch. Sie
sind aus Holz oder Rattan den Originalwaffen nachempfunden
(Kreuang mai dtee). Sie werden heute wie damals zum Unterrichten und
Trainieren benutzt, um das Risiko echter Waffen zu vermeiden.
Techniken des Krabbi Krabong:
Die Techniken des Krabbi Krabong lassen sich in zwei Themen aufteilen:
- FORMEN:
Verschiedene Angriffs- und Verteidigungsbewegungen werden miteinander
verbunden und zum Rhythmus der Musik ausgeführt.
Der Übende lernt die unterschiedlichen Waffen durch die Ausübung
dieser Formen zu gebrauchen. Es sind zwölf Formen für jede
der vier Hauptwaffen:
- KRABBI
- FORM MIT ZWEI SCHWERTERN
- FORM MIT NGAAW (U\NGE LANZE)
- FORM MIT PLAWNG (LANGSTOCK) Der Schüler muß die Formen
so lange üben, bis er ausreichend vorbereitet ist, um die Kampftechniken
zu üben. Diese Formen kann man während des Wai Kruu, vor
jeder Darbietung dieser Kunst miteinander kombinieren.
- KAMPFTECHNIKEN
Im Krabbi Krabong sind die verschiedenen Angriffe und Verteidigungen
vorgegeben. Der Schüler kann aber mit wachsendem Können
diese Techniken modifizieren, um sie seiner Person anzupassen und
so im reellen Kampf wirksamer zu machen.
Das Studium der menschlichen Anatomie sowie die Körperpunkte
für die Angriffe mit optimaler Wirksamkeit, abhängig vom
Waffentyp, sind Teil dieser Trainingsphase.
Die Schüler üben paarweise und abwechselnd die Angriffs-
und Verteidigunsbewegun-gen, wobei sie Wert auf die Geschwindigkeit,
Präzision und Kraft der Bewegungen legen.
Für jede Art der Arbeit gibt es spezifische Übungen.
Die Phasen in einer Vorführung
Die Vorführungen des Krabbi Krabong sind von
einer beeindruckenden Ästhetik und repräsentieren die gesamte
Kunst und Tradition in derselben Disziplin. Wenige Vorführungen
von Kampfkünsten erreichen diese Vielfältigkeit. Man kann
sie auf jeder ebenen und kreisförmigen Fläche mit einem Durchmesser
von 5 Metern durchführen. Die Ausführung richtet sich im Takt
verschiedener Musikstücke und gleicht einer Art von Tanz.
Die Vorführungen sind für den Nichteingeweihten sehr schwer
zu verstehen. Betrachten wir nun, in welche Teile sich eine Vorführung
unterteilen läßt und welche Bedeutung sie haben.
"WAI KRUU"
Genauso wie in der Praxis des Muay Thai wird vor jeder
Vorführung des Krabbi Krabong, das Ritual des Wai Kruu aufgeführt.
Was den Meister betrifft, stammen die vielen Bewegungen des Ram Muay
der Boxer aus den verschiedenen Formen des Krabbi Krabong.
Der Ausführende kniet dabei auf dem Boden und führt eine Reihe
von Bewegungen aus, die ursprünglich eine Ehrung und ein Gelöbnis
des Gehorsams gegenüber dem König oder Kriegsoberhaupt darstellten.
Heute bedeuten sie den Gruß an den eigenen Meister und dessen
Meister, sowie allen Meistern des Krabbi Krabong.
"KHEUN BRAHMAN"
Dieser Name beschreibt eine Serie von vier Bewegungen, die zuerst kniend
und danach stehend ausgeführt werden. Es handelt sich hier um eine
Art Tanz, in dem sich der Ausführende in vier Richtungen bewegt.
Eine Richtung für jedes der vier Gesichter des Hindu Gottes Brahma
und die vier Tugenden die diese darstellen. Es würde jetzt zu weit
führen, in die Lehren des Brahmanismus einzuführen, die Vorstufe
des therevadhais-chen Buddhismus, um die Bedeutung dieses Rituals erklären
zu können. Es genügt zu wissen, daß der Schüler
von seinem Meister die Lehre der menschlichen Tugenden erhalten soll,
welche den Schwächen und eigenen Laster des Menschen übergeordnet
sind. Diese Bewegungen sollen sie an ihr gegenseitiges Versprechen erinnern.
Die Form
Die gezeigte Form ist vom Waffentyp abhängig, der jeweils im Kampf
benutzt wird. Man kann jedoch unter den 12 Formen jeder Waffe auswählen.
Bemerkung:
Beide Kämpfer begehen von Angesicht zu Angesicht das Gebiet, wo
der Kampf stattfinden wird, und führen dabei langsame Bewegungen
mit ihren Waffen aus. Die Waffenspitzen berühren sich dabei und
die Kämpfer vergrößern und verringern die Distanz.
Kampf:
Dieser Teil ist die eigentliche Vorführung der Kampfkunst. Beide
Kämpfer verteidigen
sich und greifen abwechselnd an, in vorbestimmten Bewegungsabläufen.
Jeder von ihnen kann eine andere Waffe als sein Gegner benutzen, und
der Kampf dauert nicht länger als vier bis fünf Minuten.
Nachdem der Kampf beendet ist, bittet jeder der beiden Beteiligten den
anderen um Verzeihung für die Fehler oder Schläge die er zufälligerweise
gemacht hat. Dies ist eine wichtige Eigenschaft, die jeder Meister des
Krabbi Krabong seinem Schüler beibringen muß.
Die Musik und Krabbi Krabong
Wie bereits erwähnt wird das Krabbi Krabong nach dem Rhythmus der
Musik ausgeführt. Die dabei verwendeten Instrumente sind die Java
Flöte und das indische Tamburin. Der Rhythmus der Musik ändert
sich im Laufe der Vorführung:
Ursprünglich wurde bei jedem
Waffentyp eine bestimmte Melodie gespielt. Da es heutzutage sehr schwierig
ist, Musiker zu finden, die in der Lage wären diese Vielfalt der
Musik zu spielen, wird bei allen Vorführungen, unabhängig
von der benutzten Waffe, die selbe Melodie gespielt. Der Gebrauch der
Musik im Krabbi Krabong läßt sich bis auf die Zeiten des
Ayudhaya zurückverfolgen.
Die Kleidung und Grade
Die benutzte Kleidung, die bei der Ausübung
des Krabbi Krabong getragen wird, gleicht den Uniformen, die von den
antiken Thai Kriegern getragen wurden. Dabei sind die verwendeten Farben,
einst Zeichen des Ranges in der militärischen Hierarchie, heute
ein Hinweis auf den technischen Grad des Praktizierenden (siehe Anhang).
Der Anzug besteht aus einer Tunika, einer Hose, die bis kurz über
die Knie geht und einer Bauchbinde.
Die Aufnahmezeremonie
Bis vor kurzem war es für einen Schüleranwärter
sehr schwierig von einem Meister aufgenommen zu werden. Das Wissen des
Krabbi Krabong durfte nur an jemandem weitergegeben werden, der den
notwendigen Respekt zeigte, oder den geeigneten Charakter besaß,
um das gelernte Wissen anschließend richtig einzusetzen.
Das Ritual, mit dem der Meister auf traditionelle Art und Weise einen
Schüler akzeptierte, hat sich bis in die heutige Zeit erhalten
und wird jedes Jahr in allen Schulen gefeiert.
Es läuft folgendermaßen ab:
Die Schüler knien sich nach Graden geordnet in einer Reihe auf
dem Boden, meistens mehreren Meistern gegenüber.
Jeder Schüler hat vier weiße Blumen, Weihrauch und eine weiße
Kerze in der Hand.
Der älteste Meister bereitet eine Mischung aus Wasser und Ton vor
und formt daraus eine "heilige Paste".
Die Schüler leisten einen Schwur, der den Ehrenkodex des Krabbi
Krabong enthält.
Einer nach dem anderen legen ihre Opfergaben in einen Behälter,
der neben den Stühlen der Meister steht, und gehen gehockt an
ihnen vorbei. Der Älteste befeuchtet ihnen die Stirn mit der "heiligen
Paste" und zieht ihnen das Mongkong an. Die Schüler kehren
an ihren Platz zurück, die Musik beginnt und alle führen gleichzeitig
das Wai Kruu durch. Danach ist die Zeremonie beendet.
SUKOTHAI
Zurück zum Ursprung
Das Krabbi Krabong wurde in Thailand nur an wenigen
Orten trainiert und nur sehr wenige Europäer hatten Zugang zu diesen
Techniken.
Die IAMTF (International Amateur Muay Thai Federation) versuchte auf
eine verständliche Weise diese thailändische Kriegskunst den
interessierten Schülern sowohl innerhalb als auch außerhalb
der thailändischen Grenzen näher zubringen. Dies erreichten
sie einmal durch die Kooperation des thailändischen Kulturministeriums
und der unschätzbaren Arbeit des Großmeisters Prham Ajarn
Vichit, dem Wächter des Wissens über das Jahrhunderte alte
Krabbi Krabong. Sie entwickelten einen Lehrplan mit einem Graduie-rungssystem,
um die Kampfkunst besser zu lehren. Um das Krabbi Krabong bekannter
zu machen, organisiert die IAMTF laufend Trainingsaufenthalte in Thailand.
Der erste dieser Art fand letzten Januar in der Jahrtausendstadt Sukhothai
statt, der Wiege der ersten thailändischen Dynastie (13. Jahrhundert
-15. Jahrhundert). Neunundachtzig Studenten aus zwanzig Ländern
nahmen daran teil und hatten Gelegenheit, die Geheimnisse dieser Kunst
aus erster Hand von den besten lebenden Meistern zu erhalten. Außerdem
wurden noch Einzelbeschreibungen über die thailändische Kultur
sowie Meditationskurse abgehalten. Ajarn Kriengsak Sirisumphan, eine
der Personen, die diese Begegnung ermöglicht hatte, erklärt
uns sein Konzept des Krabbi Krabong:
"Das Krabbi Krabong, oder anders gesagt, die Kunst des Schwertes
und des Stockes, ist das Vermächtnis von kriegerischen Techniken,
die durch die Entschlossenheit unserer Vorfahren unserem Volk erlaubte,
Jahrhunderte lang als unabhängige Nation überleben zu können.
Es war die einzige südostasiatische Nation, die niemals erobert
worden ist.
In der heutigen Zeit kann man das Krabbi Krabong als höhere Technik
des Muay Thai ansehen, da wir im Muay Thai die Basis für das Erlernen,
d.h. die Balance, Schrittarbeit, usw. vorfinden.
Die Waffen werden zur Verlängerung der Arme und seine Techniken
werden mit den Fußstößen kombiniert. Ich meine, daß
jeder Schüler des Muay Thai höhere Grades mit dem Krabbi Krabong
beginnen sollte, besonders diejenigen, die auf Grund ihres Alters nicht
mehr an den Wettkämpfen teilnehmen können. Hier finden sie
einen Weg die Kampfkunst weiterhin zu genießen, jedoch im Rahmen
ihrer physischen sowie geistigen Möglichkeiten, was bei den Jüngeren
nicht so sehr beachtet wird. Man sollte schon über ein Vorwissen
im Muay Thai verfügen, bevor man mit dem Krabbi Krabong beginnt,
obwohl es nicht unbedingt erforderlich ist. Auf jeden Fall rate ich
den Interessierten zumindest den 2. Khan des Muay Thai zu erreichen,
bevor sie an den Krabbi Krabong Stunden teilnehmen."
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